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Monatsspruch
In Ernst Jandls Gedichtsammlung "Laut und Luise" aus dem Jahre 1966 steht ein Gedicht mit dem Titel "lichtung":
manche meinen, lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum!
Wissen Sie immer genau, wo es langgeht? Oder gehören Sie zu denen, die rechts sagen als Beifahrer und links meinen?
Wo bei Ihnen rechts ist - da ist bei Ihrem Vis-a-Vis, das Sie anschaut, links. Mit oben und unten ist es da einfacher, es sei denn, Sie machen gerade einen Kopfstand.
Vor 50 Jahren schrieb Jandl dieses Gedicht. LICHTUNG. Die Richtung wird zur Lichtung, wenn wir erkennen, wo es lang geht. Am Computer können wir leicht austauschen R und L. Haben wir aber im Leben die falsche Richtung eingeschlagen, geht das nicht so einfach. Wir können Gott bitten, dass er uns den Weg zeigt. Aber Jesus hat uns nicht gesagt: da geht´s lang. Seine Antwort war:
Ich BIN der Weg.
Niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Gott meint es gut mit uns: Die Ratgeberliteratur boomt. Anleitungen zum Glücklichsein sind gefragt. TV-Sendungen wissen Antworten auf alle Fragen des Lebens. Auch Freunde und Kollegen haben Empfehlungen parat, wenn ich sie frage.
Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste. In der Schule, bei der Berufswahl, in der Partnerschaft. "Wir wollen nur dein Bestes!" Es gab eine Reihe von Situationen und Entscheidungen, in denen ich nicht wusste, was für mich gut ist oder wofür ich mich entscheiden sollte. Dann war ich dankbar für die Gespräche und den Austausch in den verschiedenen Abschnitten und Phasen meines Lebens.
Jetzt, jenseits der Lebensmitte, lese ich das Psalmwort mit neuen Augen: "Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir." Ein "Gebet in Bedrängnis" lautet die Überschrift des Psalms. Der Vers darin ist eine einfache Bitte. Dass Gott selbst den Beter zu sich führen möge. Ja, Gott selbst soll den Weg weisen, dass der Mensch sich nie außerhalb von Gottes Treue aufhalten möge.
Es gehört vielleicht zur Einsicht und Weisheit des Alters, immer weniger zu wollen, durchzusetzen und zu tricksen. Am Anfang des neuen Jahres bin ich eingeladen hinzuschauen: Wo stehe ich vor einem Umbruch? In welchem Bereich gibt es einen Neuanfang? Durch welche Türe muss ich gehen?
Und – ein Ausdruck des Glaubens: Welchen Weg hast du für mich bestimmt? Ich vertraue darauf, dass du, Gott, es gut mit mir meinst.
Fredy F. Henning